Expedition zur Freiheit

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Frischholz
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Expedition zur Freiheit

Beitragvon Frischholz » Mo 13. Mär 2017, 13:34

Im Kirchspiel Frohnhausen haben wir in den ersten Wochen des Jahres den Kurs von Klaus Douglass und Fabian Vogt "Expedition zur Freiheit" durchgeführt.
Beide haben schon mehrere Kurse ähnlicher Bauart aufgelegt, am bekanntesten dürfte die "Expedition zum Ich" sein.Bild

Ich möchte einen kurzen Erfahrungsbericht geben, für die die in den Gemeinden vielleicht Ähnliches vorhaben.

Das Werk besteht aus drei Teilen:
    - Das eigentliche Buch, das von den Teilnehmern in 40 Tagen durchgearbeitet werden soll. Es hat 300 Seiten, sehr eng bedruckt, ohne auflockernde Bilder. Es ist schon eine Herausforderung es zu lesen.
    - Ein Teilnehmerheft. Meiner Meinung nach eine stark überteuerte China-Kladde, die man absolut nicht braucht. Zum Reinschreiben einfach nicht angenehm. Die wenigen Gedankenimpulse finden sich auch alle im Hauptwerk.
    - Ein Kursleiterheft, in dem Ideen zum Einstieg, Gesprächsimpulse und Fragen zum Weiterdenken aufgeführt sind. Meiner Meinung nach muss man dieses Heft nicht unbedingt haben und benutzen. Die meisten Fragen und Impulse tauchen auch im Hauptwerk auf.

Der Kurs ist so aufgebaut, dass die Teilnehmer ihr Buch in den täglichen Lektionen eigenständig durcharbeiten und sich dazu Gedanken und Fragen notieren. Außerdem soll sie ein Leitgedanke durch den (kommenden) Tag begleiten.
Damit wird zu ca. 80% der Intellekt angesprochen, nur 20% entfallen auf geistliche Übung und Spiritualität, - hier vor allem Hören der beigelegten Lieder, Memorieren eines Bibelverses, Beten weniger Gebete. Mir persönlich ist das Verhältnis für einen Glaubenskurs zu unausgewogen.
Man kann den Kurs auch als Einzelkämpfer durcharbeiten. Richtigen Sinn bekommt er aber erst, wenn man sich einmal in der Woche in einer Kleingruppe (ich empfehle maximal 12 Personen, wenn man miteinander ins Gespräch kommen will) zum Austausch trifft.

Für Kursleiter wichtig:
Man KANN den Kurs relativ unaufwändig vorbereiten.
Man MUSS KEIN studierter Theologe sein, sollte lediglich ein Interesse und eine gewisse Vorbildung in Kirchengeschichte haben.
Wichtigste Aufgabe ist, das eigentliche Werk im Vorfeld schon einmal quer zu lesen und bei der intensiven Durcharbeit der Gruppe eine Woche voraus zu sein und Erklärungen zu Fremdwörtern, theologischen Fachbegriffen und Hintergründen parat zu haben. Z.B. wie und warum aus Luder Luther wurde, was Augustiner-Eremiten sind und wodurch sie sich von anderen Mönchen unterscheiden.
Man KANN auch nur mit dem Begleitheft arbeiten. Kreative und erfahrene Kursleiter werden allerdings Ideen haben, wie sie einen Abend gestalten - auch ohne das Kursleiterheft. Und sicher sehr viel abwechslungsreichere.
Mir erscheint das sinnvoll, denn alleine das zu Lesende ist schon extrem viel Text, die Leser werden fast "zugetextet". Und dann bestehen die Kursabende auch noch aus - mit Verlaub - "Gelaber" und "Zutextung". Da brennen die Augen und glühen die Ohren und die Seele fröstelt weiter.

Ich hab den Kurs in meinem Esszimmer abgehalten. Schön ist natürlich auch ein Gemeinderaum mit liebevoll gestalteter Mitte und Möglichkeiten miteinander kreativ zu werden. Das hängt allerdings auch davon ab, wie ihr den Zeitrahmen festlegt.
Zum bloßen Austausch reichen 75 Minuten. Tee und Kekse sind euch empfohlen.
Geistlicher Impuls und Austausch 1,5 Stunden.
Geistlicher Impuls, kurzer Austausch und etwas Kreatives (Meditation, Schreibübung, Körperübung, Malen und Gestalten) 2 bis 2,5 Stunden.

Mir selbst kam das Geistlich-Spirituelle an diesem Kurs eindeutig zu kurz. Ich hätte da sehr gerne ein paar Übungen ergänzt. Mangels räumlicher Möglichkeiten war aber mehr als Austausch nicht machbar.

Bzgl. der Teilnehmer wichtig:
Es ist SEHR VIEL TEXT.
Ich lese gerne. Ich lese viel. Ich lese schnell. Ich hab die Sache studiert. Ich hab eine Leidenschaft für Geschichte.
Und trotzdem hat es mich selbst Überwindung gekostet, mich jeden Tag hinzusetzen und die 8-12 Seiten zu lesen. Spannend ist was anderes.
Es ist in der Tat eine ÜBUNG, ein Exercise oder eine Exerzitie, bei der man jeden Tag den inneren Schweinehund niederringt.
Auch die Sprache ist für Teilnehmer sicher nicht so einfach. Sehr lange Sätze, verschachtelt und verschwurbelt. Man muss schon geübter Leser sein.
Die Impulse, die herein gegeben werden sind auch sehr abstarkt, haben wenig mit der Lebenswelt der Teilnehmer zu tun. Sind nichts, was man wirklich gut im Sinne von Spiritualität im Alltag integrieren kann. Die fiktiven Lutherbriefe dagegen gefielen.

Als Ziel der Expedition wurde angekündigt, zu mehr innerer Freiheit zu finden. Und in der Tat: Befreit fühlten wir uns gestern irgendwie alle - weil's vorbei war. Wahrscheinlich war das nicht ganz im Sinne der Autoren.

Der Kurs ist NICHT schlecht, aber um den Ertrag zu haben, der auf dem Buch-Cover versprochen wird, muss der Kursleiter dann doch etwas Arbeit reinhängen.
    - Gut sind z.B. kurze Zusammenfassungen einer Woche, in denen die zentralen Gedanken der Tage und vielleicht auch die wichtigsten Zitate aufgearbeitet werden.
    - Sinnvoll ist eine kleine Zeitleiste zur Lebensgeschichte Luthers, Erklärungen zu den genannten Personen und ihrer Beziehung zu Luther. Während unserer Kursreihe liefen die "Katharina-Luther"-Filme im TV. Durch sie wurde den Teilnehmerinnen einiges klarer.
    - Sinnvoll ist, wenn der Kursleiter mit Beispielen aus dem Alltagsleben das Gelesene konkretisiert, z.B. mit Kurzgeschichten oder auch Beispielen aus der eigenen Biografie. Sehr schnell kommt man dann ins Gespräch und es entsteht in kleiner Runde auch eine gewisse Vertraulichkeit, in der man eher private Dinge erzählen kann und will.

Übrigens kann man die Bücher für Kurse auch ein klein wenig günstiger beziehen, man muss dann aber immer das Buch und Teilnehmerheft zusammen nehmen. Ich empfehle stattdessen über den Buchhandel das normale Buch und einfach für Notizen ein günstigeres Schulheft anzuschaffen.

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